Die Erdgaskessel des Entsorgungsbetriebes der Stadt Dorsten waren altersbedingt
sanierungsbedürftig. Zudem war die Heizleistung dieser Altanlage
nicht ausreichend, um die im Dezember 2002 errichtete neue Fahrzeughalle
des Entsorgungsbetriebes genügend mit Wärme zu versorgen.
Konzept Nahwärmeversorgung "An der Wienbecke": Anschluss Neubau Feuerwehrhauptwache
Als Wärmeabnehmer wurde neben den Gebäuden des Entsorgungsbetriebes die neu zu errichtende Hauptfeuer- und Rettungswache mit in das Heizkonzept als Nahwärmeverbund eingeplant. Durch die Wärmeversorgung aus einer zentralen Heizanlage können Kosten für den Bau einer gesonderten Heizzentrale im Feuerwehrgebäude mit Abgaskaminanlage und Erdgasanschluss sowie für Wartung und Instandhaltung eingespart werden.
Projektziel: Stabile Wärmekosten
Wärmeerzeugung auf der Basis von Erdgas ist durch die Preisbindung an Heizöl sehr starken, unkalkulierbaren Schwankungen unterworfen und vom Weltmarkt abhängig. Als alternativer Brennstoff stehen Holzhackschnitzel aus der heimischen Forstpflege zur Verfügung. Der Preis für den Brennstoff Waldholz ist weitgehend unabhängig von der Heizöl-Preisentwicklung:

Im Zeitraum 1997 - 2003 hat sich der Preis für Waldfrischholz zur Verwendung in der Papier-/ Spanplattenindustrie kaum verändert, der Preis für Heizöl (und damit auch für Erdgas) schwankt jedoch sehr stark.
Technische Ausrüstung der Heizzentrale
Die
Lage der neuen Heizzentrale mit guten Zufahrtsmöglichkeiten für
Lastkraftwagen zur Holzanlieferung und die ganzjährige Wärmeabnahme
- Sommerwarmwasserbedarf für Duschen - spricht für den Einsatz
eines Holzhackschnitzelkessels. Das technische Konzept wurde gemeinsam
mit dem Ingenieurbüro Cosanne Ingenieure, Dorsten-Lembeck, und dem
Holzhackschnitzellieferanten Haus Vogelsang GmbH, Datteln, entwickelt
und im März/April 2004 gebaut.
Ein Holzhackschnitzelkessel mit 300 kW Wärmeleistung liefert die Grundlastwärme und damit die größte Energiemenge. Der Kessel zündet die Holzhackschnitzel vollautomatisch und passt sich der Wärmeabnahme an. Pro Jahr werden ca. 1100 m³ Holzhackschnitzel benötigt (= ca. 370 t bzw. 450 Festmeter Holz). Für die seltenen, extrem kalten Wintertage wird ein Erdgaskessel als Spitzenlastkessel (900 kW Wärmeleistung) eingesetzt. Auf der Heizzentrale ist ein Heizwasserspeicher (10.000 Liter) aufgestellt. Dieser wird durch den Holzkessel aufgeheizt und dient als zusätzliche Wärmeenergiereserve, z.B. für das morgendliche Aufheizen der Gebäude. Hierdurch werden die Einsatzzeiten des Erdgaskessels weiter minimiert und damit Erdgas einspart.
Die Holzhackschnitzel werden fertig gehackt in geschlossenen Spezialcontainern angeliefert und an die Heizzentrale "angedockt". Der Transport der Hackschnitzel aus den Containern in den Holzhackschnitzelkessel erfolgt vollautomatisch. Bei kalter Witterung werden ca. 30 m³ Holzhackschnitzel pro Woche benötigt; ein Container fasst 35 m³.

Der Holzlieferant ist für die Lieferung der Holzhackschnitzel, für den Betrieb, für die Wartung des Holzhackschnitzelkessels und Entsorgung der Holzasche verantwortlich. Die Abrechnung der gelieferten Holzhackschnitzel erfolgt nicht nach Gewicht oder Menge, sondern nach erzeugter Wärmemenge, gemessen hinter dem Holzhackschnitzelkessel:

Wärmeversorgungsschema
Preisentwicklung Holzhackschnitzel
Die Beschaffungskosten für Holzhackschnitzel aus den Forstbeständen setzen sich aus Lohnkosten und Treibstoffkosten für die Ernte- und Transportfahrzeuge zusammen. Preisbestimmend ist zudem der Marktpreis für Industrieholz aus Waldfrischholz. Für das Projekt Nahwärme "An der Wienbecke" wurde der Preis für die Holzhackschnitzel an der Entwicklung von Lohnkosten, Treibstoff- und Industrieholzpreisen gebunden, um den Lieferanten langfristig auskömmliche Preise zu ermöglichen. Hierüber wurde eine langfristig sichere Holzbelieferung mit einem Liefervertrag über 15 Jahre geschlossen.
Investitionsförderung
In
NRW werden Holzfeuerungsanlagen durch das Holzabsatzförderprogramm
(Hafö) mit 35% der Investition als Zuschuss gefördert. Durch
diesen Zuschuss sollen notwendige Mehrinvestitionen für die Holzheizungstechnik
gegenüber einer reinen Erdgas- bzw. Heizölanlage aufgefangen
werden. Bereits in der Frühphase der Planung wurde die Förderfähigkeit
des Projektes gemeinsam mit der Energieagentur NRW sowie dem zuständigen
Kreisforstamt geklärt.
Wirtschaftlichkeit
Im Rahmen der Konzeptentwicklung wurden gemeinsam mit dem Büro COSANNE INGENIEURE, Dorsten-Lembeck, detaillierte Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchgeführt. Aufgrund der Hafö-Investitionsförderung stellt sich die jetzt realisierte bivalente Anlage mit Holz- und Gaskessel investitionskostenneutral gegenüber der reinen Gaskesselanlage dar. Bezogen auf die heutigen Energiepreise ist die Wärme aus dem Holzhackschnitzelkessel (inkl. Brennstoff, Anlieferung, Ascheentsorgung, Kesselwartung und -betrieb) kostengünstiger als die Wärme aus einer Erdgaskesselanlage. Bei den aktuellen Energiepreisen spart der Entsorgungsbetrieb ca. 7.100 Euro pro Jahr, die neu zu errichtende Feuerwehrhauptwache ca. 4.200 Euro pro Jahr.
Umweltauswirkungen
Durch
den Einsatz von Holzhackschnitzeln werden jährlich ca. 100.000
m³
Erdgas eingespart. Bei der Verbrennung von diesem Erdgas würden
240 t klimaschädigendes Kohlendioxid (CO2) entstehen.
Anders bei der Verbrennung von Holz: Holz gilt als CO2 -neutral,
da das im Laufe des Wachstums eingespeicherte CO2 bei der
Verbrennung freigesetzt wird. Die gleiche Menge CO2 wird auch
beim natürlichen Verrottungsprozess
an die Luft abgegeben. Somit wird durch die Einsparung an Erdgas die
Umwelt um 240 t CO2 pro Jahr entlastet (entspricht dem CO2-Ausstoß
von ca. 30 Einfamilienhäusern) und das bei der Forstpflege anfallende
Restholz wird einer sinnvollen Verwendung zugeführt.
Vertragskonzept
Die Finanzierung und der Betrieb der Heizzentrale erfolgt durch die städtische Gesellschaft Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH (WinDor). Damit stellt WinDor den Betrieb und die Wärmelieferung für die Liegenschaften Entsorgungsbetrieb und neue Feuerwehrhauptwache sicher und liefert die Wärme auf der Basis eines Wärmelieferungsvertrages mit einer Laufzeit von 20 Jahren.
Ansprechpartner:
WINDOR
Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH
Energieplanung
Günter Kesselmann
Bismarckstraße 24
46284 Dorsten
Tel.: 02362 / 66-3451
Fax: 02362/ 66-5723
E-Mail: info@win-dor.de
www.win-dor.de