In der Kläranlage Bottrop soll ab Herbst 2007 in einem neuartigen Verfahren Faulgas großtechnisch zu Erdgas und in einem weiteren Schritt zu gasförmigem Wasserstoff aufbereitet werden. Ziel des Vorhabens ist es, die Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur in der Emscher-Lippe-Region voranzutreiben und damit die Markteinführung von Brennstoffzellen zu beschleunigen. „Dieses Projekt zur energetischen Optimierung der Kläranlage Bottrop dient nicht nur dazu, aus den anfallenden Faulgasen der Kläranlage Erdgas in hoher Qualität herzustellen, sondern auch darauf aufbauend den immer bedeutender werdenden Energieträger Wasserstoff in nennenswertem Anteil zu erzeugen.
Dies ist ein weiterer Meilenstein beim Aufbau einer dezentralen Wasserstoffinfrastruktur in Nordrhein-Westfalen von der Erzeugung des Wasserstoffs bis zu seiner energetischen Nutzung", so NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben beim ersten Spatenstich für das aktuelle Vorhaben der Emschergenossenschaft in Kooperation mit der Stadt Bottrop. Das Land NRW und die Europäische Union unterstützen das Pilotprojekt „EuWak - Erdgas und Wasserstoff aus Kläranlagen" mit rund 1,2 Mio. Euro. Die Gesamtkosten liegen bei rund 3,7 Mio. Euro.
Wasserstoff versorgt Bottroper Schulzentrum
Die Kläranlage der Emschergenossenschaft verfügt über eine der bundesweit größten Klärschlammbehandlungskapazitäten. Das dort entstehende Faulgas enthält durchschnittlich 60 Prozent Methan. Es ist vorgesehen, ein Teil des Faulgases, das derzeit über drei baugleiche Gasmotoren zur Kraft-Wärme-Kopplung genutzt wird, abzuzweigen und zu Erdgas sowie in einem weiteren Schritt zu Wasserstoff aufzubereiten. Dieser soll dann zu einem nahe gelegenen Schulzentrum geleitet und in einem Blockheizkraftwerk eingesetzt werden, um das Zentrum inklusive des dortigen Schwimmbades mit Strom und Wärme zu versorgen. Mit dem verbleibenden Erdgas werden Erdgasfahrzeuge aus dem Fuhrpark der Emschergenossenschaft an einer neuen Tankstelle auf dem Gelände der Kläranlage betankt. Außerdem soll eine benachbarte Bottroper Wohnsiedlung versorgt werden.

Die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie gehört zu einem der Förder- und Entwicklungsschwerpunkte der Landesregierung im Energiebereich. Die entsprechenden Aktivitäten des Landes werden im Rahmen des vor sieben Jahren gegründeten „Kompetenz-Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff" im Rahmen der EnergieAgentur.NRW koordiniert.
Auch die Emschergenossenschaft ist Mitglied des Kompetenz-Netzwerkes, dem sich rund 300 zum großen Teil mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen angeschlossen haben. Ziel ist es, die bestehenden Kompetenzen sowohl für die Entwicklung von Brennstoffzellensystemen und -komponenten als auch hinsichtlich der Produktion, Speicherung und des Transports von Wasserstoff stärker als bisher zusammenzuführen und neue Kompetenzfelder zu identifizieren. Die Emschergenossenschaft, die 60 Kläranlagen im Ruhrgebiet betreibt, will in den kommenden Jahren sämtliche Einrichtungen auf ihre energetische Nutzung hin prüfen.
„Dieses Pilotprojekt soll eine allgemein verwendbare Verfahrenstechnik liefern, die dann auf alle gleichartigen Anlagen übertragen werden kann", betonte Ministerin Thoben beim Spatenstich. „Diese Technologie bietet ein Marktpotential für nordrhein-westfälische Entwicklungsunternehmen und Anlagenbauer."