Der Gelsenkirchener Norden ist Standort eines der größten Steinkohlekraftwerke Europas. Seine elektrische Nettoleistung beträgt rund 2.200 Megawatt. Ein Teil der erzeugten Wärme wird in das Fernwärmenetz des Ruhrgebiets eingespeist und versorgt die angeschlossenen Haushalte mit Heizenergie. Heute werden in den fünf laufenden Kraftwerksblöcken und dem angegliederten Fernwärme-Kraftwerk Buer bis zu 20.000 Tonnen Steinkohle täglich verfeuert. Der Brennstoff stammt aus Zechen wie den Bergwerken Lippe (Gelsenkirchen) und Auguste Victoria (Marl) sowie aus dem Ausland.
Auf dem Weg zum sauberen Brennstoff
Im Zuge des Ausbaus des Kraftwerks wurden die Wirkungsgrade der Kraftwerksblöcke ständig erhöht. Heute wird aus einem Kilogramm Kohle doppelt so viel Strom gewonnen wie noch vor 50 Jahren. Da waren zur Erzeugung einer Kilowattstunde Strom 600 Gramm Steinkohle notwendig; heute sind es noch 300 Gramm. Ein Drittel der Investitionskosten wurde in Umweltschutzmaßnahmen investiert. Das Resultat: weitestgehende Minimierung der Stickoxide, Reduktion von Schwefeldioxid durch Rauchgasentschwefelung um mehr als 90 Prozent, Reduktion von Staub um etwa 99 Prozent.
Erhöhung des Wirkungsgrades – Comtes700
Zurzeit erzielen ältere Kraftwerke in Deutschland einen Wirkungsgrad von lediglich 38 bis 40 Prozent. In Europa liegt der Durchschnitt gerade bei 36 Prozent. Ein von der EU gefördertes Projekt soll nun die Wirkungsgrade deutlich verbessern: COMTES700 heißt eine Testanlage im Block F des Kraftwerk Scholven, in der Wirkungsgrade von 50 Prozent und mehr erforscht werden.
Ziel ist, bestehende Anlagen zu optimieren und neue Kraftwerkstechnik zu entwickeln. Die momentan in Kraftwerken verwendeten Werkstoffe halten Frischdampf-Temperaturen bis zu 605 Grad Celsius und einem Druck von maximal 300 bar stand. Mit Comtes700 sollen diese Werte auf 700 Grad Celsius und 350 bar gesteigert werden. So erhöht sich auch der Wirkungsgrad der Kraftwerke auf über 50 Prozent. Die Folge: Brennstoffeinsatz und die CO2-Emission wird um ein Drittel reduziert.
Der Testbetrieb in Scholven läuft bis 2009. In diesem Zeitraum werden Werkstoffe und Komponenten im realen Betrieb geprüft. Die beteiligten Unternehmen hoffen, dass bei einem günstigen Testverlauf die Fertigstellung einer 400-MW-Demonstrationsanlage des 700-Grad-Kraftwerks in weniger als zehn Jahren möglich ist.
Das Gesamtbudget für COMTES700 beträgt über 20 Millionen Euro; sechs Millionen davon werden von der EU bezahlt. Die beteiligten Unternehmen sind: E.ON Energie, E.ON Kraftwerke, VGB PowerTech e.V., EDF France, Electrabel (Belgien), Dong (Dänemark), EnBW, Vattenfall, PPC (Griechenland), RWE, Alstom Power Boiler, Hitachi Power Europe, Burmeister&Wain Energy, Siemens.
Ansprechpartner:
Kraftwerk Scholven
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COMTES700