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Demozentrum energetische Gebäudesanierung, Gelsenkirchen

Bei der Schlüsselübergabe im Herbst 2005 waren
u.a. NRW-Bauminister Oliver Wittke (links) und
Gelsenkirchens Oberbürgermeister
Frank Baranowski (rechts) anwesend

Lebendiges Modell statt grauer Theorie – Auf lebendig vermittelte Praxis der Gebäudesanierung setzt die Handwerkskammer Münster in ihrem neuen Anwendungs- und Beratungszentrum in Gelsenkirchen-Buer an der Von-Stein-Straße 34. Das Haus wurde Mitte 2005 bezogen. Die Gesamtkosten betragen 1,1 Mio. Euro. Europäische Union und Nordrhein-Westfalen förderten das Projekt mit 150 000 Euro. Zehn Mitarbeiter haben hier nach einjähriger Bau- und Umbauzeit ein neues Domizil gefunden.

Gesunde und kostengünstige Gebäudesanierung wird in Zukunft immer wichtiger werden. Interessenten können sich im Anwendungs- und Beratungszentrum der Handwerkskammer Münster einen einzigartigen Überblick über marktübliche und kostengünstige Sanierungsverfahren verschaffen. Das ausstellende Gebäude selbst ist das "vorbildlich" sanierte Objekt der Betrachtung. Seine konstruktiven und haustechnischen Details sind anschaulich und erfahrbar dargestellt. Dank der vielen direkt ermittelten Messdaten ist der Erfolg der Sanierung objektivierbar gemacht: Ein überzeugendes, lebendiges Modell gegen graue Theorie. Zahlreiche baukonstruktive und haustechnische Varianten können nachvollziehbar und transparent besichtigt und "am lebenden Objekt" erlebt werden. Beispielsweise können verschiedene Dämmsysteme, unterschiedliche Möglichkeiten der Kellersanierung und unterschiedliche Lüftungskonzepte besichtigt werden. Mit Hilfe bauphysikalischer Messtechnik werden alle Bauteile in allen relevanten Bauteilschichten auf ihre Temperatur- und Feuchtewerte überwacht. Der Sanierungserfolg wird damit objektiv beweisbar.


Straßenfassade vor der Sanierung
© HWK Münster

Ziel des Zentrums ist es, den Blick der Baubeteiligten auf das Gebäude als Ganzes sowie neue Bautechniken und Baumaterialien zu lenken. Nur so können die Qualitätsstandards der Energieeinsparungsverordnung (En EV) für die Errichtung von Häusern erreicht werden.

Projektkoordinator Dr. Andreas Müller vom Institut für Umweltschutz der Handwerkskammer Münster: "In diesem Demonstrationszentrum wird Bildung über die Hand vermittelt. Greifen und Begreifen spielen eine immens wichtige Rolle bei Entscheidungen über Baumaterialien. So wird die Kommunikation zwischen allen Zielgruppen rund ums nachhaltige, energiesparende und hochqualitative Bauen verbessert. Mit der praxisnahen Darstellung können sich Planer und Handwerker unmittelbar ihren Eindruck verschaffen und eine gemeinsame Entscheidung über Material, Ausstattung und Qualität treffen. Das spart Zeit und Geld, nützt der Umwelt und fördert den Klimaschutz; bei Neubauten und vor allem bei Sanierungen oder Renovierungen. Darüber hinaus zeigen wir hier Ansätze für Komplettlösungen durch die direkte Vernetzung aller Baubeteiligten und für altersgerechtes Bauen."

Ökologisch und ressourcenschonend


Straßenfassade vor der Sanierung
© HWK Münster

Aufbauend auf den Erfahrungen bei der Errichtung des Demonstrationszentrums Bau + Energie in Münster sowie des KNR - Kompetenzzentrum Bauen mit Nachwachsenden Rohstoffen wurde besonderer Wert auf gesundes und ressourcenschonendes Bauen gelegt. Die verwendeten Baustoffe reichen dabei von der Anwendung nachwachsender Rohstoffe bis zum Einbau von Lüftungssystemen, die auch dem Schallschutz zugute kommen. Die ressourcenschonende Sanierung und Modernisierung bestehender Gebäude ist zentrales Thema bei der Konzeption des Anwendungs- und Beratungszentrum für Gebäudesanierung.

Im Gebäude werden verschiedene Lüftungskonzepte genutzt:

  • Im Erdgeschoss sorgt eine Abluftanlage für den hygienisch notwendigen Luftwechsel.
  • Im 1. Obergeschoss wurde eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut, das Lüftungsgerät selbst wurde auf dem Dachboden eingebaut.
  • Im Mansardengeschoss werden 2 unterschiedliche, dezentrale Lüftungsgeräte genutzt.
  • Auf dem Steildach wurde eine Photovoltaikanlage aufgebaut.

Alle Verbrauchswerte und das bauphysikalische Verhalten, die Funktionsweise der haustechnischen Anlagen und das Lüftungsverhalten der Nutzer werden mittels bauphysikalischer Messtechnik des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik aufgezeichnet. Neben der Photovoltaikanlage werden Informationen zu allen Möglichkeiten der regenerativen Energieerzeugung zur Verfügung gestellt. Die WC-Anlagen werden mit Regenwasser gespült, das in einer Zisterne gesammelt wird. Die Versickerung des überschüssigen Wassers erfolgt in einer Rigole. Die Grundstücksfläche wurde mit wassergebundener Decke und Drainagepflaster versickerungsfähig gestaltet. Das Flachdach auf dem Anbau wurde extensiv begrünt. Die Mülltrennung im Gebäude ist selbstverständlich. Das Gebäude ist durch seine Lage am Rande der Innenstadt von Gelsenkirchen-Buer optimal mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar. Um den darüber hinaus entstehenden Publikumsverkehr aus dem angrenzenden Wohngebiet herauszuhalten, konnte dank der verkehrsgünstigen Lage die Zufahrt zum Grundstück verlegt werden.

Ökonomisch

Ziel war es, marktübliche Verfahren und Konstruktionen anzuwenden und damit kostengünstige Möglichkeiten der Gebäudesanierung zu demonstrieren. Besonders kritisch wurde die Weiterverwendung bestehender Bauteile geprüft. Es wurden bevorzugt trockene Bausysteme eingesetzt. Durch den Anbau konnte die zur Verfügung stehende Grundstücksfläche optimal ausgenutzt werden. Dadurch konnte die städtebauliche Qualität im Sinne der Nachverdichtung erreicht werden. Die Weiternutzung der vorhandenen Bausubstanz war dabei selbstverständlich. Das Projekt "IGS - Initiative für Gebäudesanierung" wird mit Mitteln aus dem Ziel-2-Programm des Landes NRW gefördert mit dem Ziel der Stärkung der Bauwirtschaft in der strukturschwachen Emscher-Lippe-Region. Der gesamte Bauverlauf wurde umfassend dokumentiert und in Informationsmaterial und einer Ausstellung aufbereitet.

Sozial

Mit der Ergänzung des bestehenden Gebäudes wurde die städtebauliche Situation neu definiert und eine Verbindung zum dahinter liegenden Wohngebiet und zur angrenzenden innerstädtischen Bebauung hergestellt.  Das ehemalige Wohngebäude wurde zu einem Bürogebäude umgenutzt, ein Seminarraum wurde angebaut. Dabei stand eine flexible Nutzung der Räume im Vordergrund. Das Gebäude wurde mit barrierefreiem WC und Außenlift weitestgehend barrierefrei erschlossen.