Das erste größere Windfeld im Ruhrgebiet wurde in Castrop-Rauxel nahe der Stadtgrenze zu Dortmund realisiert. Hier haben Verwaltung und Rat von Castrop-Rauxel auf dem mit 127 Metern höchsten Punkt der Stadt im Jahr 1998 in einer zukunftsträchtigen Entscheidung eine Vorrangfläche für Windkraftanlagen eingerichtet. Die betreffende Fläche im Ortsteil Schwerin war ursprünglich als Fläche für die Landwirtschaft ausgewiesen und im Landschaftsplan des Kreises Recklinghausen (Castrop-Rauxel ist eine kreisabhängige Stadt) als Landschaftsschutzgebiet eingetragen.
Die Änderung des Flächennutzungsplans von „Fläche für die Landwirtschaft” zu einer „Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen” trat am 24. Februar 1998 in Kraft, gleichzeitig mit einem Bebauungsplan, der sechs Standorte für Windkraftanlagen in einem Abstand von 250 Metern voneinander verbindlich festlegte. Der Abstand der Windkraftanlagen (WKAs) zur nächsten Wohnbebauung beträgt 350 Meter, mit Ausnahme der beiden Räder, die der Landwirt in geringerem Abstand zu seinem Hof errichten ließ. Alle festgelegten Standorte für die sechs Windkraftanlagen sind heute belegt: neben der älteren kleinen mit 80 kW Leistung - dem Pionier sozusagen -, stehen eine Maschine mit 500 kW und drei mit je 600 kW installierter Leistung. Die größte Maschine mit einer Nabenhöhe von knapp 90 Metern, einem Rotordurchmesser von 58 Metern und 1MW installierter Leistung wurde als letzte im Jahr 2004 aufgestellt. Installierte Leistung bedeutet, dass bei entsprechend ausreichendem Windangebot pro Stunde maximal 80 bzw. 500, 600 oder 1000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit auf diesem Windfeld beträgt in 60 m Höhe 5,2 m/sec. Fünf Maschinen sind Produkte der deutschen Firma Enercon aus Aurich in Ostfriesland, die sechste, das „Bürgerwindrad”, ist eine Maschine der dänischen Firma NEG Micon. Mittlerweile hat das Bürgerwindrad 117 Gesellschafter.
Zusammen erzeugen diese Anlagen in einem normalen Windjahr ca. 5,5 - 6 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom. Das bedeutet auch die Einsparung von ca. 5 Millionen Kilogramm des schädlichen CO2. Der Strom wird in das öffentliche 10 kV-Netz der RWE eingespeist. Für die Genehmigung jeder einzelnen Anlage war die Erstellung von Boden-, Lärm- und Schattenwurfgutachten erforderlich. Die Lärmentwicklung der Anlagen darf die nach der "Technische Anleitung (TA) Lärm" für landwirtschaftliche Flächen erlaubten 45 dB in der Nacht nicht überschreiten. Dieser kleine, von weither sichtbare Windpark ist eine Landmarke für Castrop-Rauxel. Er wird von Ausflüglern und Schulklassen als Beispiel für die Erzeugung regenerativer Energie besucht. Die Einbettung der Windanlagen in die Felder hindert die landwirtschaftliche Nutzung in keiner Weise. Jedes Jahr am Pfingstmontag öffnet das „Bürgerwindrad” am „Tag der offenen Mühle” zu Informationszwecken seine Türen in Verbindung mit einem gut besuchten Fest.
Erträge Bürgerwindrad:
- Das Jahr mit dem besten Ergebnis – 2000: 1.077.000 kWh
- Das Jahr mit dem schlechtesten Ergebnis – 2005: 761.000 kWh
- Der Monat mit dem besten Ergebnis – Februar 2002: 198.000 kWh
- Der Monat mit dem schlechtesten Ergebnis- August 2002: 19.000 kWh
- Durchschnitt aller acht Jahreserträge: 909.000 kWh – Das bedeutet die ständige Versorgung von 260 Haushalten
- Gesamtertrag: 7.474.000 kWh (Stand Mai 2007)